Wir missbrauchen und prostituieren uns alle selber

02.06.2021 09:00 / Oliver Wittwer / 123
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Missbrauch und Prostitution sind zwei Begriffe, die wir in der Regel sofort mit ganz bestimmten eng eingegrenzten Handlungen assoziieren: Missbrauch als körperliche und teils sexuelle Handlungen an einem anderen Menschen, zum Teil gewalttätig. Oder weiter gefasst als ein den anerkannten Regeln oder gesellschaftlichen oder rechtlichen Normen widersprechenden Gebrauch von Gegenständen, Lebewesen, Substanzen, Macht oder Kompetenzen. Und die Prostitution als Ausübung sexueller Handlungen gegen Entgelt.

Es lohnt sich jedoch, sich einmal in den Bedeutungs-Kern dieser Begriffe zu vertiefen. So kann man die beiden Begriffe auch wie folgt definieren:

  • Missbrauch: Jemanden gegen seinen Willen oder entgegen seiner Bedürfnisse zu einer Handlung oder Aussage nötigen oder gar zwingen.
  • Prostitution: Eine Fähigkeit oder eine Sache im Tausch gegen eine Belohnung zweckentfremden oder missbrauchen. Oder einfach das Anpassen des Verhaltens für eine Belohnung. 

Beide Begriffe sind in dieser Betrachtung also eng miteinander verwoben. In beiden Fällen ist Missachtung des eigentlichen Willens eines Menschen ein zentraler Aspekt. Bei der Prostitution erfolgt dies mehr oder weniger freiwillig gegen ein Entgelt oder Belohnung, beim Missbrauch unfreiwillig gegen den Willen des Missbrauchten.

Lassen wir nun für einmal alle inneren Filter unserer Erziehung und der Gesellschaft beiseite und betrachten unser Leben angefangen als Kleinkind bis ins Erwachsenenalter. Mir ist bewusst, dass das nicht so leicht gelingen mag, vor Allem wenn man sich nicht gewohnt ist, gewohnte Dinge aus einer ungewöhnlichen Perspektive neu zu betrachten. Um es für Erstlinge zu vereinfachen werde ich es mit Beispielen versuchen zu veranschaulichen:

Schon sehr früh lernten wir als Kinder, dass wir dann besonders Anerkennung bekamen, wenn wir uns so verhalten haben, wie es die Eltern von einem wünschten. Verhielten wir uns aber so, wie es unserem inneren Impuls heraus entsprach, war oft Ablehnung oder Tadel das Resultat. Da wir als Kind in besonderem Masse auf Liebe und Geborgenheit angewiesen waren, blieb uns meistens nichts anderes übrig, als unser Verhalten entsprechend anzupassen, um in den Genuss dieser überlebenswichtigen Seelennahrung zu kommen. Der Missbrauch seitens der Eltern gegenüber dem Kind begann. Und einhergehend die Prostitution des Kindes, indem es sein Verhalten anpasste, um als Belohnung Anerkennung zu erhalten.

In der Schule ging es dann weiter: Als kleines Kind hattest Du viele Interessen, und konntest ihnen mehr oder weniger nachgehen. Und plötzlich musstest Du fast jeden Tag in einer Schulbank sitzen und genau das tun, was der Lehrer von Dir verlangte. Wenn Du es nicht tatest, hattest Du schlechte Noten und die Eltern übten Druck auf Dich aus. Warst Du brav, fleissig und artig, wurdest Du mit guten Noten belohnt und die Eltern haben Dich geliebt und gelobt.

Dann kam die Gesellschaft und Deine Rolle darin. Früh bemerktest Du, dass wenn Du so warst wie Du eigentlich sein wolltest, auf Ablehnung und Spott stiessest. Also hast Du Dich wiederum angepasst, hast Dir konforme Hobbies und Interessen gesucht, hast so gesprochen und Dich so verhalten wie es den anderen gefiel. Die Angst, anders zu sein, hat sich so tief in Dein Knochenmark eingenistet, dass Du es Dir zu Deinem Charakter gemacht hast, Dich lieber anzupassen und zu verleugnen. 

Und auf diese Weise wurden die meisten von uns zu Prostituierten und missbrauchten Wesen, bei denen fast nichts von dem übrig blieb, was sie eigentlich ausmacht: Ein individuelles, einzigartiges und schönes Wesen, mit keinem anderen vergleichbar.

Wie wäre es, wenn Du dieses Wesen, welches auch Du vergessen hattest, wieder kennenlernen würdest? Falls Dich die Botschaft in diesem Artikel berührt, erschüttert oder schockiert hat, dann ist das Dein innerer Wesenskern, Deine Seele, die sich gemeldet hat. Und dann hast Du genau jetzt die Chance, die Weichen zu stellen, um Dich auf den Weg Deiner persönlichen Befreiung zu machen!

Entscheide Dich und gib der Intention Deiner Seele jetzt den Raum, indem Du zu Dir selber sagst: "Ja, ich will frei werden! Und ich bin bereit, die Chancen, die sich durch diese Entscheidung ergeben werden, zu nutzen, um diesen Weg der Befreiung weiter zu gehen!"